Erschließung des Nachlasses von James Krüss


Abgeschlossenes Projekt

Der Nachlass des Kinder- und Jugendbuchautors James Krüss (1926-1997) wurde im Jahr 1998 von der Erbengemeinschaft James Krüss an die Stiftung Internationale Jugendbibliothek übergeben. Er wurde in den Jahren 2012 bis 2015 mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Kalliope erschlossen.

James Krüss, einer der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren des 20. Jahrhunderts, verfasste ca. 40 Romane und längere Erzählungen für Kinder und Jugendliche, ein Kinderlexikon, fast 90 Bilderbücher, einige Bücher für Erwachsene, eine Vielzahl von Kurzgeschichten und Gedichten (von denen viele auch als Lieder vertont wurden), Hör- und Singspiele für Kinder sowie Artikel und Reiseberichte für Zeitungen und Zeitschriften. Daneben war Krüss als Übersetzer (zumeist von Kinderliteratur) aus einer Reihe von Sprachen tätig, gab Gedichtanthologien heraus und moderierte in den 1960er und 1970er Jahren verschiedene Fernsehsendungen für Kinder. Krüss’ Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Jugendbuchpreis für das beste Kinderbuch (1960 für „Mein Urgroßvater und ich"), mit der Hans-Christian-Andersen Medaille und dem Deutschen Jugendbuchpreis für das beste Bilderbuch (1964 für „3 x 3 an einem Tag").

Der Nachlass von James Krüss enthält Werkmanuskripte aus allen Bereichen und Phasen seines literarischen Schaffens. Erhalten sind hand- und maschinenschriftliche Fassungen mehrerer hundert Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbuchverse, wie etwa „Der Reisepudel Archibald“, „Der Zauberer Korinthe“, „3 x 3 an einem Tag“ sowie seines wohl bekanntesten Bilderbuchs „Henriette Bimmelbahn“. Auch zu den bekannten Erzählungen und Romanen für Kinder und Jugendliche findet sich reichhaltiges Material. Herausragend sind beispielsweise eine von Krüss handschriftlich korrigierte Fassung von „Mein Urgroßvater und ich“, eine Fassung von „Mein Urgroßvater, die Helden und ich“ mit zusätzlichen Lektoratsanmerkungen, eine frühe Handschrift von „In Tante Julies Haus“ auf fünf Schreibblöcken mit zahlreichen Korrekturen oder verschiedene Fassungen einzelner Bände aus der „Hummerklippen“-Serie.

Die Medienpräsenz von Krüss dokumentieren Skripte von Hör- und Singspielen, Drehbücher von Fernsehsendungen für Kinder wie „James’ Tierleben“ oder „ABC und Phantasie“, in denen Krüss als Moderator auftrat, sowie andere Arbeiten für das Fernsehen. Neben nicht publizierten experimentelleren Arbeiten aus späteren Schaffensperioden finden sich auch unveröffentlichte Werke des jungen Krüss. Zum Spätwerk gehört der autobiographisch geprägte, in mehrere Bände gegliederte Roman „Der Harmlos“, zu dessen nicht mehr veröffentlichten Teilen sich Vorarbeiten im Nachlass befinden.

Neben Übersetzungen von Volksliedern, Bilderbüchern, Geschichten und Hörspielen für Kinder aus dem Englischen, Französischen, Italienischen, Spanischen, Holländischen, Serbokroatischen, Polnischen, Schwedischen und weiteren Sprachen finden sich Bearbeitungen der Werke anderer Autoren (insbesondere von Erich Kästner) sowie einzelne bildkünstlerische Arbeiten und Illustrationen für eigene (zumeist unveröffentlichte) Bilder- und Kinderbücher.

Daneben spiegelt der Nachlass Krüss‘ ausgeprägtes Interesse für linguistische und kanariologische Forschungen wider: Er enthält Exzerpte aus wissenschaftlichen Arbeiten, Notizen und Skizzen von verschiedenen Exkursionen auf den Kanarischen Inseln, Vorarbeiten für eigene wissenschaftliche Aufsätze und anderes mehr.

Zum Abschluss des Erschließungsprojekts veranstaltete die Internationale Jugendbibliothek am 12. Februar 2015 die erste wissenschaftliche Tagung zu James Krüss’ Werk. Unter dem Titel „James Krüss der Zauberer mit Tinte“ wurde über James Krüss’ Lyrik, seine narrativen Verfahren und Selbstinszenierungen diskutiert.


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