Beginn des Erschließungsprojekts Josef Guggenmos

mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Am 1. Oktober 2020 konnte ein Projekt zur Erschließung des Nachlasses von Josef Guggenmos in der Internationalen Jugendbibliothek begonnen werden. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, ist mit Eigenbeteiligung der Internationalen Jugendbibliothek auf etwa 3 Jahre angelegt und hat zum Ziel, den großen Nachlass (ca. 200 Archivkästen) des Dichters zu ordnen und im Autographenportal Kalliope zu katalogisieren. Voraussichtlich ab 2023 kann im Lesesaal der Internationalen Jugendbibliothek mit dem Nachlassmaterial wissenschaftlich gearbeitet werden.

Anlässlich des Projektbeginns brachten die drei Töchter von Josef Guggenmos noch die letzten Kisten aus dem Nachlass in die Bibliothek. In diesen Wochen werden durch die Projektmitarbeiterin die vielen großen und kleinen Kartons ausgepackt und die Papiere aus dem Nachlass vorgeordnet.

Josef Guggenmos (1922-2003) hat den Kanon der deutschsprachigen Kinderlyrik seit 1960 entscheidend mitgeprägt. Als Natur-Lyriker gab er seinen Kindergedichten häufig Tiere als Protagonisten. Er verfasste jedoch auch Haikus, Aphorismen und Nonsense-Gedichte; Sprachklang und -spiel sind weitere Leitmotive seines Schaffens. 1967 gelang Guggenmos mit dem Erscheinen seines Buches und damit des Gedichts „Was denkt die Maus am Donnerstag?“ der Durchbruch als Kinderlyriker. Das Buch wurde 1971 als erstes Taschenbuch der neugegründeten dtv junior-Reihe aufgelegt. Seine Gedichte wurden vielfach abgedruckt, vertont, preisgekrönt und sind bis heute präsent in zahlreichen Schulbüchern.

Neben Gedichten hat Josef Guggenmos Kurzprosa, Kindertheaterstücke, darunter etliche Kasperltheater, Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen und Bearbeitungen klassischer Werke verfasst.

Zur Arbeitsweise und zur Biografie von Josef Guggenmos können aus dem Nachlassmaterial weitreichende Erkenntnisse gewonnen werden: In dem Nachlass sind besondere Dokumente wie frühe handschriftliche Briefe und Manuskripte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit enthalten. Entwürfe für Gedichte hielt Guggenmos auf Spaziergängen und auf Reisen in Notizheften fest, die zahlreich im Nachlass erhalten sind. In seinen Karteikästen notierte er, wann und wohin jedes Gedicht versandt wurde, wo es veröffentlicht wurde, welche Honorare er dafür erhielt.

Zahlreiche Korrespondenzen aus dieser Zeit mit Verlagen, Literaturzeitschriften und Rundfunkanstalten lassen nachvollziehen, wie intensiv er an der Veröffentlichung seiner Gedichte, Kurzgeschichten und Theaterstücke für Kinder arbeitete, wie der literarische Markt seiner Zeit funktionierte und wie aus einem originellen Lyriker auch ein bekannter Dichter werden konnte.