|
Vom 25. bis 28. Oktober 2011
geht es in der Internationalen Jugendbibliothek „Nordwärts“
Vier Tage lang haben Kinder, Jugendliche und Erwachsene in über
20 Veranstaltungen Gelegenheit, den besonderen Reiz skandinavischer
Kinder- und Jugendbücher zu entdecken.
Bei der Auftaktveranstaltung am Nachmittag des 25. Oktober 2011
kamen rund 50 Kinder und Erwachsene in den Genuss den erfolgreichen
schwedischen Kinderbuchautoren Mårten Melin persönlich kennen zu
lernen. Den amüsanten Episoden über das Verliebtsein aus Melins Buch
„Artur, Anton und die Liebe“ unterstrich der Schauspieler und
Sprecher Sebastian Hofmüller mit seiner gekonnten Interpretation des
Textes.
Zuvor hatten die Kinder Gelegenheit, sich bei einem
„Orientierungslauf“ im Schlosshof mit
Spielen und Mitmachaktionen zu den Büchern der Gäste und bekannten
Klassikern aus Skandinavien auf die kommenden Tage einzustimmen. (cg)
|
|
8.
Oktober 2011
Große Stoffe für kleine Leute:
Faust für Kinder mit Katharina Ritter
Beinahe 100 Kinder und Erwachsene waren am Samstag den 8.
Oktober in den Christa-Spangenberg-Saal gekommen, um zu
hören und zu erleben, wie das bedeutendste Werk der
deutschen Literaturgeschichte, Goethes Faust, mit einer
raffiniert ausbalancierten Mischung aus Leichtigkeit und
Ernsthaftigkeit größeren Kindern erzählt werden kann. Die
vielfach ausgezeichnete Münchner Geschichtenerzählerin
Katharina Ritter schaffte es auf eindringliche und hoch
konzentrierte Weise, das Publikum von Beginn an zu fesseln
und über eine Stunde lang nicht mehr aus dem Sog ihrer
Erzählung zu entlassen. Sie nahm die jungen und erwachsenen
Zuhörer auf die Reise in Fausts Studierstube, wo der
Gelehrte mit Mephisto einen teuflischen Pakt eingeht, in
Auerbachs Keller, in Gretchens Verlies und schließlich auf
den Blocksberg. So unterhaltsam und abwechslungsreich hat
man die Tragödie selten erlebt. Eine großartige Leistung.
Im Anschluss an die Veranstaltung gab Frau Dr. Raabe, die
Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, eine
Führung durch die Ausstellung „Wenn die Frösche sämtlich
Zähne hätten. Goethe fürs Bilderbuch“, die noch bis zum 20.
November im Wehrgang zu sehen ist. (tl)
|
|
|
13. Oktober 2011
Frankfurter Buchmesse 2011 – Veranstaltung im Rahmen des
„Weltempfangs“
In Messehalle 5.0 hieß es am Donnerstag der diesjährigen
Buchmesse „’Zipferlaken, Schimpanisten, Krokolinen,
Pianisten’: Mit Kindergedichten um die Welt!“ Der
tschechische Kinderbuchautor und Morgenstern-Übersetzer
Radek Malý, die Übersetzerin Gräfin Sybil von Schönfeldt und
Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen
Jugendbibliothek, gingen der Frage nach, wie es sich mit dem
Ladenhüter Kinderlyrik und deren Übersetz- bzw.
Unübersetzbarkeit verhält. Moderiert wurde das Gespräch von
Roswitha Budeus-Budde von der Sueddeutschen Zeitung.
Die
gut 50 Zuhörer erfuhren nicht nur etwas über die Verluste
und Einschränkungen, die mit der Übersetzung von Kinderlyrik
einhergehen, sondern auch, dass es große Chancen und
kreative Umsetzungsmöglichkeiten in diesem Feld gibt -
eindrücklich und anschaulich vorgeführt durch den Arche
Kinder Kalender, der illustrierte Kindergedichte aus vielen
Ländern der Welt im Original und in deutscher Übersetzung
versammelt. Dass Kinderlyrik aber auch als reines
Klanggebilde funktioniert, zeigten 13 Kindergedichte
unterschiedlichster Herkunft, angefangen vom Iran, über
Litauen bis nach Japan, die vom Band orignalsprachlich
eingespielt wurden. Die deutschen Textversionen wurden
anschließend von den wunderbaren Kindersprecherinnen Pauline
Spatz und Mia Hofmann live präsentiert. Auf diese Weise
konnte sich das Publikum nicht nur davon überzeugen, dass
Radek Malýs Gedicht über die Katze im Fahrscheinautomaten im
Deutschen ganz anders klingt und einen kongenialen Zusatz
zum tschechischen Pendant enthält, sondern auch davon, dass
Kinderlyrik durchaus eine Chance verdient, gehört zu werden.
|
|
|
4.
Oktober 2011
„Ein verruchter Besen, der nicht hören will!“
Der Zauberlehrling für Kinder
Ein Vortrag von Dr. Marlene Zöhrer
Goethe für Kinder? Ja! Obwohl er kein einziges seiner Werke
ausdrücklich für Kinder geschrieben hat, werden einige
seiner Texte immer wieder in Kinderbüchern publiziert.
Großer Beliebtheit erfreut sich dabei insbesondere die
Ballade „Der Zauberlehrling“ (1797) – und zwar weit über den
deutschen Sprachraum hinaus. Dr. Marlene Zöhrer, die über
„Weltliteratur im Bilderbuch“ promoviert hat,
veranschaulichte die Erfolgs- und Vermarktungsgeschichte der
Kunstballade in ihrem Vortrag am 4. Oktober 2011 vor etwa 40
Zuhörern in der Internationale Jugendbibliothek.
In einer Bilderschau mit zahlreichen Illustrationen aus
aktuellen Bilderbüchern veranschaulichte sie die vielfältige
Bearbeitung des bekannten Goethe-Stoffes, untermalt von
einer erfrischend modernen Vertonung des „Zauberlehrlings“
im Sprechgesang. Der Blick auf den anglophonen Sprachraum
zeigte, dass Disneys Fantasia (1940) auch heute noch in der
Interpretation des Werks seine Spuren hinterlässt und
Textnähe nicht immer Hauptcredo der Verlage ist: so finden
sich in modernen Bearbeitungen weibliche Zauberlehrlinge,
die gegen ewig nähende Nähmaschinen ankämpfen, oder der
Zauberlehrling als eigenständig denkender Roboter, als
Sinnbild für das Industriezeitalter.
Dass die Popularität des „Zauberlehrlings“ auch heute
ungebrochen ist, sei nicht zuletzt der Beliebtheit des
Zauberer-Genres unserer Zeit geschuldet, so Zöhrer. (mls)
|
September
2011
Anna Maria Czernow-Dreger aus Polen zu Besuch in der
Internationalen Jugendbibliothek
Von September bis November 2011 forscht die Stipendiatin
Anna Maria Czernow-Dreger aus Polen in der Internationalen
Jugendbibliothek. Anna promoviert zurzeit an der Fakultät
für Polnische Studien der Universität Warschau, an der sie
auch unterrichtet.
Während ihres Aufenthalts im Bücherschloss arbeitet sie an
gleich zwei Projekten: Zum einen recherchiert sie im Rahmen
eines Forschungsprojekts nach internationalen
Literaturtheorien im Bereich Kinder- und Jugendliteratur.
Zum anderen forscht sie für ihre Doktorarbeit, in der sie
karnevaleske Strategien im Kinderbuch der Zeit von „Alice im
Wunderland“ bis in die 1950er Jahre untersucht. Ihre Studien
basieren auf Michail M. Bachtins Theorien zum Karnevalesken
und werfen u. a. einen Blick auf die Befreiung des Kindes in
der Literatur mittels dieser Strategien. In der
Internationalen Jugendbibliothek sucht sie insbesondere nach
Sekundärliteratur aus dem englischen und schwedischen
Sprachraum zu dieser Thematik, die in Polen nur schwer
zugänglich ist. (mls)
|
|
|
19.
September 2011
Eine Reise mit den Ohren in die Internationalen
Jugendbibliothek
Wer bei dem großen
Familienfest am Sonntag, den 25. September 2011,
nicht dabei sein kann, den besucht die Internationale
Jugendbibliothek bei sich zu Hause – über Radio.
Deutschlandradio Kultur macht mit seinem Kinderprogramm
Kakadu eine Reise ins Bücherschloss. Am Sonntag um 14.05 Uhr
können die Zuhörer mehr über die einzigartige
Spezialbibliothek erfahren und einen akustischen Spaziergang
durch die Räume von Schloss Blutenburg machen. (mls)
|
|
|
|
15. September
2011
Der Alphabetische Katalog der Internationalen
Jugendbibliothek ist online
Die Retrokonversion des Alphabetischen Katalogs, des
zentralen Bestandsnachweises der Internationalen
Jugendbibliothek, wurde im August 2011 nach
eineinhalbjähriger Projektdauer erfolgreich abgeschlossen.
In diesem ca. 230.000 Karten (incl. Verweisungen)
umfassenden Zettelkatalog sind alle vor 1992 katalogisierten
Bestände der Internationalen Jugendbibliothek in etwa 130
Sprachen der Welt verzeichnet, mit Ausnahme der bisher nur
inventarisierten Bestände und einiger Sondersammlungen.
In einem Offline-Verfahren wurden die Scans der
Katalogkarten teils intellektuell, teils mit Hilfe
automatisierter Prozesse in MAB-Datenfelder strukturiert und
im MAB-Dienstformat der Deutschen Nationalbibliothek an die
Internationale Jugendbibliothek und den Bibliotheksverbund
Bayern ausgeliefert.
Nach Einspielung der Titelsätze in die Datenbank des
Bibliotheksverbunds Bayern mit automatischer
Dublettenkontrolle wurden etwa 188.000 Titel aus der
Verbunddatenbank in das SISIS-Lokalsystem der
Internationalen Jugendbibliothek eingespielt und
anschließend aus diesen lokalen Titeldatensätzen die etwa
238.500 Exemplardatensätze generiert.
Nach Abschluss der Retrokonversion ist nun der gesamte
katalogisierte Buchbestand der Internationalen
Jugendbibliothek mit etwa 440.000 Titelnachweisen bzw.
483.640 Buchdatensätzen in ihrem Web-OPAC sowie in der
Datenbank des Bibliotheksverbunds Bayern recherchierbar.
Damit hat sich die Anzahl der online recherchierbaren
Titelsätze annähernd verdoppelt. Erstmals ist also der
Kernbestand der Internationalen Jugendbibliothek mit den
katalogisierten Zugängen von den 1940er-Jahren bis heute
weltweit für die internationale Kinder- und
Jugendbuchforschung zugänglich. (Jutta Reusch)
|
|
|
September
2011
Claudia Mendes aus Brasilien zu Gast in der
Internationalen Jugendbibliothek
Im Rahmen des Stipendienprogramms der Internationalen
Jugendbibliothek forscht die brasilianische
Graphikdesignerin Claudia Mendes drei Monate auf Schloss
Blutenburg. Claudia Mendes lebt und arbeitet in Rio de
Janeiro. Für ihre Arbeit als Graphikdesignerin mit
Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendliteratur hat sie
bereits einige Preise erhalten, etwa von der brasilianischen
Sektion des IBBY und der Brasilianischen Buchkammer (Câmara
Brasileira do Livro). Da sie ihr umfangreiches Wissen über
den Verlagsmarkt in Brasilien an den akademischen Nachwuchs
im Kinderbuchbereich weitergeben möchte, entschied sie sich,
in die Forschung und Lehre zu gehen. In der Internationalen
Jugendbibliothek recherchierte sie für ihre Dissertation.
Ausgangspunkt ihrer Forschungsarbeit ist die Frage, wie der
kindliche Körper in zeitgenössischen Kinderbüchern in
verschiedenen Kulturen dargestellt wird. Dabei konzentriert
sie sich auf die Darstellung des nackten kindlichen Körpers,
um die dahinterstehenden Ideologien, die sich von Kultur zu
Kultur unterscheiden können, aufzuspüren.
Dank ihrer Vertrautheit mit dem Werk des brasilianischen
Kinderbuchillustrators Roger Mello gab Claudia Mendes zudem
wertvolle Anregungen für die Gestaltung der Ausstellung
„Das
fantastische Farbenreich des brasilianischen Illustrators
Roger Mello“, die zurzeit in der Wehrgang-Galerie
zu sehen ist. (mls)
|
|
|
August
2011
Zu Besuch aus dem italienischen Norden: Anna Becchi
Im Sommer 2011 ist Anna Becchi aus Genua zu Gast in der
Internationalen Jugendbibliothek. Anna Becchi arbeitet als
Übersetzerin, Verlagsberaterin im Bereich Kinderbuch und als
Publizistin. Außerdem ist sie Redakteurin für die
italienische Kinder- und Jugendliteratur-Fachzeitschrift
Andersen, die monatlich über Kinder- und Jugendbücher
informiert.
In der Internationalen Jugendbibliothek sammelt Anna Becchi
Material für eine illustrierte Biografie über die Gründerin
der Bibliothek, Jella Lepman. Während ihres Aufenthalts
sichtet sie zahlreiche Briefe von und an die Journalistin
und entsprechendes Archivmaterial. Ein Schwerpunkt ihrer
Recherche ist die Freundschaftsbeziehung von Lepman zu Erich
Kästner sowie die Entstehung der für die Nachkriegszeit
wegweisenden Tierparabel „Die Konferenz der Tiere“, die der
Kinderbuchautor auf ihre Anregung hin verfasste, und die
1949 erstmals publiziert wurde. (mls)
|
|
|
26. Juli 2011
Prof. Dr. Helga Reimann, Peter Nickl und Hans-Jörg
Weitbrecht werden aus den Gremien der Stiftung
Internationale Jugendbibliothek verabschiedet und die
Errichtung der „Binette Schroeder Stiftung zur kulturellen
Förderung internationaler Kinderbuchillustration“ öffentlich
bekannt gegeben
Mehr...
|
|
|
26. Juli 2011
Gegengelesen-Tag für die diesjährigen Preisträger
Am
26. Juli waren die Preisträger des diesjährigen
Gegengelesenwettbewerbs zu Gast in der Internationalen
Jugendbibliothek, um für ihre preisgekrönten Rezensionen
gewürdigt zu werden und einen ganz besonderen Tag außerhalb
des Klassenverbandes zu erleben. 20 Hauptschüler von der 5.
bis zur 10. Klasse aus München und dem Münchner Umland
lernten sich an diesem Tag erstmals kennen. Sie hatten für
den Wettbewerb „Gegengelesen“ White Ravens Buchempfehlungen
der Internationalen Jugendbibliothek gelesen und kritisch
besprochen. Die gemeinsame Leseerfahrung der Jugendlichen,
die sich bisher nicht kannten, schweißte die Gruppe schnell
zusammen.
Mit
einer Schatzkarte ausgerüstet, begaben sich die Jugendlichen
zunächst auf eine Schatzsuche durch die Bibliothek und
erschlossen sich so spielerisch die Schlossanlage und die
Lesemuseen. Anschließend ging Dominik Nüse-Lorenz vom
Loewe-Verlag in einem ebenso anregenden wie kenntnisreichen
Vortrag der Frage nach, welche Phasen und Entscheidungen
wichtig sind, bis aus einer Romanidee ein fertiges Buch
entsteht.
Am Ende stand die Preisübergabe: Die Jury bedankte sich für
die vielseitigen und bemerkenswerten Rezensionen, und jeder
Schüler erhielt eine Siegerurkunden und einen Buchpreis. Wir
danken an dieser Stelle dem Loewe-Verlag, der die
Veranstaltung großzügig unterstützt hat.
Der Tag wird bei den Schülern im Gedächtnis bleiben und hat
einigen auf die weitere Auseinandersetzung mit Literatur
Lust gemacht. Nach dem Ende der Veranstaltung wurden
jedenfalls die Öffnungszeiten der Ausleihbibliothek eifrig
erfragt. (tl)
|
|
|
Juni 2011
Unsere Gäste aus den USA: Donna Adomat und Jennifer Graff
Seit
2008 ist Donna Adomat (re.) Lehrbeauftragte an der
School of Education der Indiana University, Bloomington, in
Indianapolis. Die Assistenzprofessorin unterrichtet
Lehramtsstudenten und Doktoranten in den Bereichen Kinder-
und Jugendliteratur und Methoden der Alphabethisierung für
elementary schools. Ihr momentaner Forschungsschwerpunkt
liegt auf der Frage, wie sowohl geistige als auch
körperliche Behinderung in Kinderbüchern aus den letzten
zehn Jahren repräsentiert wird und welches Verständnis von
Behinderung Grundschulkinder durch die literarische
Auseinandersetzung mit dem Thema entwickeln. Dabei definiert
Donna Behinderung weniger als biologisches Phänomen, sondern
vielmehr als ein Ergebnis des sozialen, kulturellen und
historischen Hintergrunds einer literarischen Figur. Während
ihres Aufenthalts in der Internationalen Jugendbibliothek
liegt Donnas Fokus insbesondere auf der Darstellung von
Protagonisten mit Behinderung in Bilderbüchern aus
unterschiedlichsten Kulturen und welche divergierenden
Vorstellungen und Haltungen sich zu der Thematik darin
widerspiegeln.
Die Assistenzprofessorin Jennifer Graff (li.), die am
Department of Language and Literacy Education der University
of Georgia in Athens, Georgia, lehrt, hat sich auf die Frage
spezialisiert, wie Immigration und die Erfahrungen von
Einwanderern in der Kinder- und Jugendliteratur porträtiert
werden. Sie verbringt zwei Monate im Bücherschloss und
widmet sich während dieser Zeit ebenfalls der Darstellung
des Themas im Bilderbuch. Geleitet wird ihre Forschung von
Fragen wie: In welchen Ländern findet sich Immigration als
Gegenstand der Kinder- und Jugendliteratur und was sagt die
spezifische oder sogar ausbleibende literarische
Auseinandersetzung mit Immigranten über die
Einwanderungspolitik eines Landes aus? Wie werden die
Charaktere mit Migrationshintergrund in der Literatur
dargestellt, wie das Gastland? Wird die Vielfalt der Formen
von Immigration in einer Kultur überhaupt abgebildet? Ihre
Forschungsergebnisse wird Jennifer auch an ihre
Lehramtsstudenten weitergeben, um diese dabei zu
unterstützen, Kindern eine differenzierte und kritische
Auseinandersetzung mit dem Thema zu vermitteln und durch das
Lesen und Diskutieren dieser Literatur Vorurteilen
entgegenzuwirken. (mls)
|
|
|
27. Juni 2011
 |
 |
Dieses Jahr ging das Projekt „Gegengelesen – Die
Buchempfehlungen The White Ravens im Praxistest“ in die
dritte Runde. Unter dem Namen The White Ravens stellt die
Internationale Jugendbibliothek jedes Jahr 250 literarisch
herausragende Neuerscheinungen des internationalen Kinder-
und Jugendbuchmarktes in einem Katalog vor. Mit großem
Erfolg werden seit 2009 die deutschsprachigen White Ravens
-Empfehlungen von Grund- und Hauptschülern kritisch
„gegenlesen“. In diesem Jahr wurde das Projekt erstmals nur
für Hauptschulen angeboten, um die Teilnahme dieser
Schularten ausweiten zu können und somit die oftmals rar
gesäte Lese- und Literaturförderung speziell an Hauptschulen
zu unterstützen.
Rund 100 Hauptschüler acht verschiedener Schulen aus München
und dem Umland lasen die Buchempfehlungen der
Internationalen Jugendbibliothek „gegen“ und verfassten
eigene Rezensionen. Besonders beeindruckend war dieses Jahr,
dass auch herausfordernde Literatur, wie etwa ein
Gedichtband oder ein sehr umfangreicher Roman, rezensiert
wurden und die Besprechungen trotz der Menge der
Einsendungen wieder außerordentlich vielseitig und gut
waren. Alle Rezensionen, inklusive der gekennzeichneten
Siegertexte, können in dem Reader (Mehr...)
gelesen werden.
Mit einem besonderen Augenmerk auf unterschiedliche Genres,
Themen und die verschiedenen Alterstufen wurden dieses Jahr
folgende Bücher ausgewählt: Anton taucht ab von Milena
Baisch (Beltz und Gelberg); Joyride Ost von Thorsten Nesch
(Rowohlt / rororo), Erebos von Ursula Poznanski (Loewe); Der
Wind lässt 1000 Hütchen fliegen von Arne Rautenberg (Boje);
Mandela & Nelson von Herman Schulz (Carlsen); Das Buch der
seltsamen Wünsche von Angie Westhoff (Klopp); Tage und
Nächte von Sigrid Zeevaert (Thienemann).
Die besten Rezensionen wurden prämiert und die Verfasser
Ende Juli zu einem Gegengelesen-Tag in die Internationale
Jugendbibliothek eingeladen. Dort lernen sich die
Preisträger kennen, werden ausgezeichnet und bekommen einen
Einblick in die Entstehung von Büchern und Literatur. Betont
werden muss an dieser Stelle, dass es der vierköpfigen Jury
auch in diesem Jahr alles andere als leicht gefallen ist
eine Wahl zu treffen. Alle Schüler und Lehrer können daher
stolz auf ihre Ergebnisse sein. Das Projekt Gegengelesen ist
nur durch das Engagement aller Beteiligen - vor allem der
Lehrer - so erfolgreich.
Ein wichtiges Anliegen des Projekts ist es, die Meinungen
der Schüler ernst zu nehmen und öffentlich zu machen. Daher
werden die Beiträge in den Schulen und auf der Homepage der
Internationalen Jugendbibliothek veröffentlicht und an
Verlage und Autoren geschickt, die die Texte ihrerseits für
ihre Arbeit und Bewerbung nutzen. So wird das Lesen und
Schreiben als gesellschaftlich anerkannte Kulturleistung im
Bewusstsein der Teilnehmer verankert. (tl)
|
|
|
8. Juni 2011
„bunt, lebendig, anstrengend, traurig
Familienbilder in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur“
Eine Fachtagung zum Auftakt der neuen Ausstellung
„Alles
Familie! Familiendarstellungen in aktuellen Bilderbüchern“,
die bis zum 21. August 2011 in der Wehrgang-Galerie zu sehen
ist.
Veranstaltet von der Internationalen Jugendbibliothek
Die Lebensgemeinschaft Familie hat sich in Folge eines
grundlegenden Wertewandels, der Liberalisierung und
Individualisierung der westlichen Gesellschaft und einer
zunehmenden Erwerbsorientierung der Frauen seit den 1970er
Jahren stark geändert. Familie ist heute kein starres
Lebensmodell mehr, sondern wird in vielfältigen
Zusammensetzungen als Hausgemeinschaft gelebt und erlebt.
Auf der Tagung „Bunt, lebendig, anstrengend, traurig.
Familienbilder in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur“
stand die Frage im Mittelpunkt, welche Familienbilder in der
aktuellen Kinder- und Jugendliteratur gezeichnet werden und
wie der Ort beschrieben wird, an dem viel möglich ist:
Geborgenheit und Nestwärme, Gewalt und Verwahrlosung,
Konflikte und Versöhnung. In vier Vorträgen wurde eine
Annäherung an das Thema versucht.
Nach
der Begrüßung und kurzen Einführung in die Thematik von Dr.
Christiane Raabe, der Direktorin der Internationalen
Jugendbibliothek, zog die Berliner Professorin für
Theaterpädagogik, Kristin Wardetzky, in ihrem
spannend vorgetragenen, mit zahlreichen Beispielen
untermauerten Beitrag mit dem Titel „Familiendramen im
Märchen“ eine große Linie von der antiken Mythologie zu den
Märchen der Neuzeit. Familiäre Konflikte werden in beiden
Genres mit Gewalt, Inzest, Muttermord, Vergewaltigung und
andere Ungeheuerlichkeiten ausgetragen. Anders als in den
Mythen triumphiert das Prinzip des Lebens und die Jugend in
den Märchen. Schuld sind immer die Eltern, nie die Kinder.
Daher besitzen, so die Referentin, gerade Märchen das
Potential zur Kompensation von subjektiven Gewalt- und
Unrechterfahrungen von Kindern und verhelfen diesen zur
emotionalen Entladung und Entlastung. Das zeigte sie
anschaulich am Beispiel eines Projekts mit Ostberliner
Grundschulkindern, die Märchenanfänge fortschrieben.
Die
Kinderbuchkritikerin und Buchhändlerin Hilde Elisabeth
Menzel führt in ihrem Vortrag anhand zahlreicher
ausgewählter Illustrationsbeispiele in die aktuelle
Bilderbuchproduktion ein und kam zu dem Ergebnis, dass
belastende Familiensituation wie Trennung so gut wie gar
nicht im Bilderbuch thematisiert werden und die glückliche,
herkömmliche Familie immer noch das Genre dominiert. Auch
Armut, Migration oder Verwahrlosung, die in den Medien
wiederkehrenden Kampfthemen zur Familie, finden selten
Eingang in Bilderbuchgeschichten.
Dem
Vaterbild in der Kinderliteratur ging der Redakteur und
Kritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Tilman
Spreckelsen in seinem Vortrag nach. Unter Rückbesinnung
auf historische Schlüsselromane wie Peter Pan oder die
Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren resümierte er, dass
der langweilige, unauffällige und schwache Vater schon immer
ein beliebter Topos der Kinderliteratur war und nicht erst
als Figur in die aktuelle Kinderliteratur eingeführt wurde.
Zum
Abschluss führte die Journalistin, Kritikerin und
Lehrbeauftragte Christine Knödler in einem dicht
komponierten und kenntnisreichen Vortrag ein in die Abgründe
und menschlichen Tiefen von Qual- oder Wahlverwandtschaft.
Dabei zeigte sich, dass den Eltern in der Jugendliteratur
ein denkbar schlechtes Zeugnis ausgestellt wird: Sie
versagen auf ganzer Linie. Das zahlreich erschienene,
interessierte Publikum von Lehrern, Erziehern,
Hochschuldozenten, Buchhändlern, Verlagsmitarbeitern,
Illustratoren und Autoren diskutierte im Anschluss lange
über die Frage, weshalb die Jugendliteratur immer mehr zu
einem Ort wird, an dem es kaum noch sexuelle oder moralische
Tabus gibt. (cr)
|
|
|
26.05.2011
Zweisprachige Lesung mit dem australischen Autor Morris
Gleitzman
Erst kürzlich wurden der australische Autor Morris Gleitzman
und sein Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn von der
Deutschen Bischofskonferenz mit dem Katholischen Kinder- und
Jugendbuchpreis 2011 ausgezeichnet. Umso mehr freute sich
die Internationale Jugendbibliothek über den Besuch der
beiden Preisträger, die im Jella-Lepman-Saal vor rund 100
SchülerInnen aus dem prämierten Jugendroman „Einmal“ in
englischer und deutscher Sprache lasen.
Die Geschichte des 9-jährigen jüdischen Jungen Felix, der im
besetzten Polen des Jahres 1942 auf die Suche nach seinen
Eltern geht und dabei erst ganz allmählich begreift, in
welcher Gefahr er sich befindet, ergriff die SchülerInnen
sichtlich.
In der anschließenden Diskussion ging Gleitzman, der selbst
jüdische Wurzeln hat, offen auf den Ansturm ihrer Fragen ein
und scheute auch nicht vor persönlichen Themen zurück.
Humorvoll schilderte er seinen Werdegang, wollte der Autor
doch Profifußballer werden, bevor er Bücher zu schreiben
begann. Dass er letztlich diesen Weg einschlug, danken ihm
seine Leser weltweit. Seine Romane wie „Einmal“, der
beispielhaft für seinen Wunsch steht, Geschichten zu
erzählen, um Hoffnung zu erzeugen, sind bereits in über 20
Sprachen übersetzt worden. (mls)
|
|
|
25. Mai 2011
Festveranstaltung für Shaun Tan,
diesjähriger Preisträger des Astrid Lindgren Memorial Award
Im Andenken an die große Kinderbuchautorin Astrid Lindgren
vergibt die schwedische Regierung einmal im Jahr den Astrid
Lindgren Memorial Award (ALMA) an einen außergewöhnlichen
Autor, Illustrator oder eine Einrichtung der Leseförderung.
Seit 2009 wird der Preisträger vor der offiziellen
Preiszeremonie in Stockholm mit einer Festveranstaltung in
der Internationalen Jugendbibliothek geehrt. Preisträger in
diesem Jahr ist der australische Autor, Illustrator und
Filmemacher Shaun Tan, dem die Internationale
Jugendbibliothek bereits im vergangenen Herbst eine
Werkschau in der Wehrgang-Galerie von Schloss Blutenburg
gewidmet hat. Fast 150 Gäste waren gekommen, um den Künstler
auch am Abend des 25. Mai 2011 live zu sehen und zu hören.
In einem Grußwort skizzierte die Direktorin der
Internationalen Jugendbibliothek, Dr. Christiane Raabe, die
Erfolgsgeschichte des Künstlers. Seine ungewöhnliche
Bildsprache und -dramaturgie habe nicht nur sie in den Bann
gezogen, sondern weltweit für Aufsehen gesorgt wie die
zahlreichen internationalen Auszeichnungen der letzten Jahre
zeigten.
Vielleicht
liegt ein Grund für die Faszination, die Shaun Tans Bilder
auf den Betrachter ausüben, in der „Selbstverständlichkeit
des alltäglich Unmöglichen“ wie Joachim Kalka es
ausdrückte. Der Literaturkritiker und preisgekrönte
Übersetzer hielt im Anschluss an die Begrüßung die erste
Astrid-Lindgren-Rede mit dem Titel Ebenso und völlig anders.
Das Kind liest seine Bücher, in der es ihm um die Magie von
Kinderbüchern und um die Neugier und Unbekümmertheit
kindlicher Leser ging. Er richtete den Blick dabei unter
anderem auf die Vorstellungskraft der Kinder, die mit
wunderlichster und wunderbarer Selbstverständlichkeit in
allen möglichen Formen von Geschichten versinken können und
dabei auch das Dunkle und Unbekannte nicht scheuen.
Shaun
Tan scheint sich diese kindliche Lust auf die Begegnung
mit dem Unbekannten bewahrt zu haben. In einem
unterhaltsamen und ansprechenden Bildervortrag gewährte er
Einblick in seine Arbeit und seinen Alltag als Künstler und
erzählte unter anderem, dass er meist selbst nicht wisse,
wohin der Tag ihn führen würde. Sobald er mit dem Stift in
der Hand und einem Blatt Papier vor sich an seinem
Arbeitsplatz säße, würde er sich auf einen Spaziergang mit
einer Linie begeben („I am taking a line for walk“), und
dabei würden oft die erstaunlichsten Dinge passieren.
Als Liebhaber und Bewunderer seiner Werke kann man nur
hoffen, dass der sympathische Künstler noch viele weitere
solcher „Spaziergänge“ unternimmt und seine fantastischen
Geschichten mit den Lesern teilt. Congratulations, Shaun
Tan! (cg)
|
|
|
|
25. Mai
2011
Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel von Schweden
zu Besuch in der Internationalen Jugendbibliothek
Zum Abschluss ihres zweitägigen Aufenthalts in München
besuchte das schwedische Kronprinzessinnenpaar auf Einladung
der Schwedischen Botschaft am 25. Mai 2011 die
Internationale Jugendbibliothek.
Unter
großem Jubel und Applaus fuhr der Konvoi nachmittags auf dem
Vorplatz des Schlosses vor, wo das Paar von dem Vorsitzenden
des Stiftungsrates der Internationalen Jugendbibliothek, Dr.
Dominik Freiherr von König, der Bibliotheksdirektorin, Dr.
Christiane Raabe, und von der Frau des bayerischen
Ministerpräsidenten, Karin Seehofer, empfangen wurde. Dort
stand zunächst ein Rundgang durch die weltweit einmalige
Bibliothek auf dem Programm.
Im Museumsdach traf Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel
mit der Illustratorin Binette Schroeder (rechts im Bild) und
den Malkindern der Internationalen Jugendbibliothek
zusammen, die sie dem Paar zur Erinnerung an ihren Besuch im
Bücherschloss eine selbst gestaltete
Krokodilsgeschichtensammlung überreichten. Außerdem übergab
die Direktorin der Kronprinzessin ein Vorabexemplar des
neuen, von der Internationalen Jugendbibliothek
herausgegebenen Arche Kinder Kalenders.
|

|
|

|
An
dem Rundgang nahm auch der australische Autor und
Illustrator Shaun Tan teil, der in diesem Jahr von der
schwedischen Regierung mit dem Astrid Lindgren
Gedächtnispreis, kurz ALMA, ausgezeichnet wurde und am Abend
in einer Festveranstaltung geehrt wurde.
Der
Stiftungsratsvorsitzende der Internationalen
Jugendbibliothek, Dr. Dominik Freiherr von König, brachte in
seinem anschließenden Grußwort im Namen der Bibliothek einen
Wunsch an die Kronprinzessin vor: Möge sie wiederkommen und
ihr Wohlwollen und ihre Sympathie für das Anliegen der
Bibliothek, die Bewahrung und Verbreitung der Kinder- und
Jugendliteratur, bewahren. (cg)
mehr...
|
|
|
3. Mai 2011
Besuch der schwedischen Kronprinzessin Victoria in der
Internationalen Jugendbibliothek!
Am 25. Mai 2011 besuchen die schwedische Kronprinzessin
Victoria und ihr Mann Daniel anlässlich der Präsentation des
Astrid-Lindgren-Memorial-Awards die Internationale
Jugendbibliothek. Die Direktorin Dr. Christiane Raabe wird das
Paar zusammen mit dem diesjährigen ALMA-Preisträger Shaun
Tan durch das Haus führen. Im Anschluss wird es für geladene
Gäste einen Empfang geben.
Bei der öffentlichen
ALMA Festveranstaltung um 19 Uhr wird der Kritiker und Übersetzer Joachim Kalka eine Astrid Lindgren Rede halten und der australische
Autor und Illustrator Shaun Tan über Erzählen in Bildern
sprechen.
Die Internationale Jugendbibliothek freut sich auf den hohen
Besuch aus Schweden und auf den
ALMA-Preisträger Shaun Tan!
|
|
|
5.
April 2011
Neuer Vorstand im Stiftungsrat der Internationalen
Jugendbibliothek
Auf der Sitzung des Stiftungsrats der Stiftung
Internationale Jugendbibliothek am 1. April wurde ein
neuer Vorstand gewählt. Zum neuen Vorsitzenden wurde
Nikolaus Turner berufen, der hauptamtlich als
Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands der Stiftung
Lindauer Nobelpreisträgertreffen tätig ist. Herr Turner
folgt Peter Nickl als Vorstandsvorsitzender nach, der
seit 2003 den Vorsitz im Stiftungsvorstand innehatte.
Ebenfalls für eine zweite Amtsperiode nicht mehr zur
Verfügung stand Prof. Dr. Helga Reimann. Ihren Platz
nimmt nun die Direktorin der Internationalen
Jugendbibliothek Dr. Christiane Raabe ein. Ihre
Vorgängerin, Frau Dr. Barbara Scharioth, die bereits im
alten Vorstand war, wurde vom Stiftungsrat erneut
bestätigt. Der neue Vorstand amtiert bis zum Frühjahr
2016.
|
|
|
31.
März 2011
Anna Katrina Gutierrez von den Philippinen
zu Gast in der Internationalen Jugendbibliothek
Bis Ende Juni forscht Anna Katrina Gutierrez im Rahmen ihrer
Doktorarbeit in der Internationalen Jugendbibliothek. Sie
kommt von den Philippinen und promoviert derzeit an der
Macquarie University in Sydney über das Thema „Austausch
zwischen Ost und West in der Kinderliteratur und Kultur“.
Ausgangspunkt ihrer Forschung ist die Frage, wie globale und
lokale Einflüsse in der Kinderliteratur zusammenspielen.
Während ihres Stipendienaufenthalts befasst sie sich mit
international bekannten Märchen und deren regional
unterschiedlichen Nacherzählungen. Im Mittelpunkt ihres
Interesses stehen dabei weltweit bekannte Motive wie z. B.
Hans Christian Andersens kleine Meerjungfrau und die Frage,
welche Umdeutung diese in verschiedenen Regionen der Welt
erfahren. In der Internationalen Jugendbibliothek
recherchiert sie in Bilder- als auch Kinderbüchern aus dem
amerikanisch-europäischen und asiatischen Raum nach
verschiedenen Versionen von Nacherzählungen. (mls)
|
|
|
28.03.2011
Lesung mit Mirijam Günter
Im Rahmen der Münchner Bücherschau Junior war die Autorin
Mirijam Günter zu Gast in der Internationalen
Jugendbibliothek und las vor rund 70 SchülerInnen aus ihrem
Jugendbuch „Die Ameisensiedlung“. Der Roman schildert die
schwierige Lebenssituation der 15-jährigen Conny, die sich
in einem sozialen Brennpunkt der Stadt um ihre
alkoholabhängige Mutter, ihre Halbgeschwister und sich
selbst kümmern muss.
Die sympathische Autorin gab den
Jugendlichen außerdem einen Eindruck von ihrem persönlichen
Weg, der über verschiedene Hauptschulen und abgebrochene
Ausbildungen zum professionellen Schreiben führte. Neben
ihren sozialkritischen Jugendromanen hat sich die Autorin
mit Literaturwerkstätten in Jugendvollzugsanstalten,
Hauptschulen und Jugendzentren bundesweit einen Namen
gemacht. Beeindruckt zeigten sich die SchülerInnen auch von
dem von inhaftierten Jugendlichen geschriebenen Gedicht, das
die Autorin am Ende der Veranstaltung vortrug. (tl)
|
24. März 2011
Eröffnung der Ausstellung Gestiefelte Kater, bebrillte
Esel, beschirmte Krähen.
Die fantastische Bilderwelt des Illustrators Klaus Ensikat
Knapp
100 Gäste, darunter auch zahlreiche Freunde und
Wegbegleiter, kamen am Abend des 24. März in die
Internationale Jugendbibliothek zur Eröffnung der
Ausstellung, in der 200 Originalillustrationen des
renommierten Künstlers Klaus Ensikat gezeigt werden. Zu
sehen sind Arbeiten aus den letzten vierzig Jahren, darunter
zahlreiche Originale aus preisgekrönten Bilder- und
Kinderbüchern aber auch Federzeichnungen, die Ensikat für
bibliophile Drucke der Berliner Handpresse gemacht hat. Der
Fokus der breit angelegten Werkschau liegt auf den
fantastischen, surrealen Arbeiten des Illustrators.
Nach
der Begrüßung der Gäste durch die Direktorin der
Internationalen Jugendbibliothek Frau Dr. Raabe, übernahm
der Bruder des Illustrators, Peter Ensikat, das Wort. Der
bekannte Kabarettist gab auf ebenso persönliche wie
satirische Weise Einblick in das künstlerische Werk Klaus
Ensikats und sparte nicht mit Seitenhieben auf die
Mechanismen des deutschen Kunstmarkts. Er bezeichnete
Ensikats Illustrationen als „Kunst für uns Menschenkinder“,
die Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht und
meinte: „Niemand kann Hässlichkeit so schön zeichnen wie
mein Bruder“.
Musikalisch umrahmt wurde der kurzweilige Abend vom Ensemble
Salonzauber.
Die hintersinnigen und oft skurrilen Illustrationen von
Klaus Ensikat laden noch bis 12. Mai 2011 zum Entdecken und
Verweilen in die Internationale Jugendbibliothek ein. (mls)
|
|
|
22. März 2011
Lesung mit der dänischen Bestseller-Autorin Janne Teller
Mit zwei Veranstaltungen in der Internationalen
Jugendbibliothek startete die Bestsellerautorin Janne Teller
am 16. März 2011 ihre Lesetour durch Deutschland. Im
Mittelpunkt stand dabei der im Herbst 2010 beim Hanser
Verlag erschienenen Roman „Nichts. Was im Leben wichtig
ist“.
Das Buch über eine Gruppe Jugendlicher, deren radikale Suche
nach Lebenssinn außer Kontrolle gerät, trifft den Nerv der
Jugendlichen, wie die rege Diskussion der rund 130
Schülerinnen und Schüler aus Münchner Schulen am Vormittag
zeigte.
Auch für das erwachsene Publikum am Abend war die
persönliche Begegnung mit der sympathische Autorin aus
Dänemark anregend und bereichernd. Nachdem diese einen
kurzen Abschnitt auf Dänisch vorgetragen hatte, folgte eine
Lesung in deutscher Sprache von der Schauspielerin Anja
Herdemerten.
In dem anschließenden von Christiane Raabe moderierten
Gespräch wurden immer wieder Bezüge zur aktuellen
Weltlage hergestellt. Führen die Ereignisse im Nahen Osten
und in Japan doch deutlich vor Augen, wie schnell sich die
globalen Verhältnisse ändern können. Ein Gedankenspiel, zu
dem Tellers neues Buch „Krieg – Stell dir vor, er wäre
hier“, einlädt. (cg)
|
|
|
16.
März 2011
Zu Gast in der Internationalen Jugendbibliothek:
Natalia Méndez aus Argentinien
Natalia Méndez arbeitet als Lektorin für Kinderliteratur bei
dem argentinischen Verlag Editorial Norma. Außerdem hält sie
Seminare über das Verlagswesen an der Universidad de Buenos
Aires. Während ihres Aufenthalts im Bücherschloss bis Ende
April 2011 will die Stipendiatin die Paratexte ausgewählter
Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur vergleichen. Dabei
untersucht sie, wie Verlage über den Paratext eines
Kinderbuchs mit dem Leser bzw. Käufer kommunizieren und
inwieweit ein Text wie etwa „Peter Pan“ in verschiedenen
Ausgaben aus mehreren Ländern im Paratext unterschiedlich
präsentiert wird. Natalia hofft, in der Sekundärliteratur
Hinweise dafür zu finden, weshalb sich Verlage für eine
bestimmte Gestaltung von Paratexten entscheiden. (mls)
|
|
|
1. März 2011
Congratulations:
Oscar für Shaun Tan!
Der australische Illustrator und Autor Shaun Tan hat einen
Oscar für seinen animierten Kurzfilm „The Lost Thing“
erhalten. Der Film basiert auf seinem hoch gelobten,
gleichnamigen Bilderbuch, in dem die humorvolle und
gleichzeitig nachdenklich stimmende Geschichte eines Jungen
erzählt wird, der am Strand eine bizarre, verloren gegangene
Kreatur findet. Über mehrere Jahre arbeitete Shaun Tan mit
einem kleinen Team an der Filmadaption des Buches. Im
September 2010 war der sympathische Australier zu Gast auf
Schloss Blutenburg. Die Internationale Jugendbibliothek
gratuliert zu dieser besonderen Ehrung! (tl)
|
22. Februar 2011
Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Benz
Vermitteln Kinder- und Jugendbücher auch Vorurteile und
Feindbilder gegen ethnische, kulturelle, soziale oder
sexuelle Minderheiten? Und wenn ja, wirken sie damit
nachhaltig auf die sich herausbildende Weltsicht von jungen
Lesern ein? Professor Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des
Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin und
Träger des Geschwister-Scholl-Preises, meint ja!
Ressentiments und rassistische Stereoptype würden in der
Kinder- und Jugendliteratur oft auf sublime Weise
transportiert und selbst Bücher, die in aufklärerischer
Absicht geschrieben wurden, könnten zur Herausbildung von
Vorurteilen beitragen, so die Hauptthese seines Vortrags
„Vorurteile in der Kinder- und Jugendliteratur“, den er am
22. Februar 2011 in der Internationalen Jugendbibliothek
hielt.
Mit dieser These weckte er nicht nur die Diskussionslust der
etwa 40 Veranstaltungsteilnehmer/innen, sondern auch breites
Interesse bei den Medien. Hier zu sehen im Interview mit dem
Bayerischen Rundfunk / Interkulturelles Magazin, zusammen
mit Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen
Jugendbibliothek. (cg)
|
|
|
|
1.
Februar 2011
Die Internationale Jugendbibliothek erweitert ihre
Magazinräume
Aufgrund des kontinuierlichen Wachstums ihrer
Buchbestände stieß die Internationale Jugendbibliothek
bereits seit einigen Jahren an ihre räumlichen Grenzen. Der
Bestand beträgt inzwischen knapp 600.000 Bücher und wächst
um jährlich ca. 10.000 Bücher an.
Nach intensiver Suche konnte im Sommer 2010 ein geeigneter
Magazinraum im benachbarten Puchheim angemietet werden. Die
rund 500 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten befinden
sich im ersten Stockwerk einer Gewerbeimmobilie am Ortsrand
von Puchheim mit guter Verkehrsanbindung. Sie bieten Platz
für den Buchzugang der nächsten zwanzig Jahre.
Im Herbst wurden umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt,
die insbesondere die Anpassung der Klimaanlage an die
konservatorischen Anforderungen einer Bibliothek, die
Erneuerung der Beleuchtung und der Kommunikationstechnik
umfassten. Im Dezember wurde rund die Hälfte des Magazins
mit einer Fahrregalanlage ausgestattet und kann nun bezogen
werden.
Für die Finanzierung der Investitionen stellten das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus
sowie das Kulturreferat der Landeshauptstadt München die
notwendigen Mittel zur Verfügung.
|
26. Januar 2011
Lehrerfortbildung „Worte finden für das Unfassbare“
21 Lehrerinnen und Lehrer aus oberbayerischen Realschulen
und Gymnasien folgten am 25. Januar 2011 der Einladung der
Internationalen Jugendbibliothek, nach neuen Wegen der
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu suchen. Im
Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie man die Schülerinnen
und Schüler zur persönlichen Auseinandersetzung mit den
nationalsozialistischen Gräueltaten anregen kann, ohne dass
sie sich von moralischen Vorgaben und schulischen
Bewertungskriterien gehemmt fühlen. Welches Potential hat
dabei ein außerschulischer Lernort wie die Internationale
Jugendbibliothek?
In der ganztägigen Fortbildung lernten die Lehrerinnen und
Lehrer ein Angebot kennen, das die Internationale
Jugendbibliothek in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte
Dachau bereits seit zwei Jahren erfolgreich durchführt: Nach
dem Besuch der Gedenkstätte bekommen junge Menschen auf
Schloss Blutenburg, dem idyllischen Sitz der Internationalen
Jugendbibliothek, Gelegenheit, in einer Schreibwerkstatt
ihre persönlichen Eindrücke und Gefühle schriftlich zu
verarbeiten. Begleitet werden sie dabei von einem
professionellen Jugendbuchlektor.
Das Modell mit dem Titel „Worte finden für das Unfassbare“,
das für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse geeignet
ist, wurde von den Lehrerinnen und Lehrern positiv
aufgenommen. „Im Unterricht haben wir kaum Zeit, den Besuch
der Gedenkstätte nachzubereiten. Dabei wäre es so wichtig“,
so eine Teilnehmerin. Bleibt zu hoffen, dass zukünftig
möglichst viele Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schüler
diesen Prozess der individuellen Verarbeitung ermöglichen!
(cg)
|
| |
Zu
Gast in der Internationalen Jugendbibliothek:
Gaja Kos aus Slowenien
Die 31-jährige Literaturwissenschaftlerin arbeitet seit
schon seit vielen Jahren als Lektorin für zwei renommierte
slowenische Verlage und veröffentlicht regelmäßig Kinder-
und Jugendbuchrezensionen in Fachzeitschriften und
Tageszeitungen. 2010 erhielt sie dafür sogar den begehrten
Journalistenpreis Stritarjeva Nagrada, der einmal jährlich
an herausragende junge Kritiker verliehen wird. Darüber
hinaus promoviert sie an der Universität in Ljubljana zum
Thema „Slowenische Problemliteratur für Jugendliche“. Da
dieses Genre in Slowenien bislang noch nicht im Fokus der
Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft stand,
muss Gaja Kos viel Grundlagenarbeit leisten. Neben der
systematischen Erfassung von rund 60 Büchern (ohne
Übersetzungen) seit den 1960er Jahren bis heute, wird sie
auch inhaltliche, sprachliche und stilistische Aspekte
analysieren und einen Überblick geben über die Historie
dieses Genres, das seit den 1990er Jahren einen deutlichen
Zuwachs in Slowenien zu verzeichnen hat. Ihr
Stipendienaufenthalt in der Internationalen Jugendbibliothek
vom 10. Januar bis 10. April 2011 dient vornehmlich der
Recherche von Sekundärliteratur aus anderen Ländern, in
denen bereits mehr über problemorientierte Prosa für
Jugendliche geforscht wurde. (cg)
|
|